Donnerstag, 22. Juni 2017

Die Welt ist nicht stabiler geworden – es ist nur eine Frage, wohin man schaut. Ideale Crash-Bedingungen – eigentlich


Es ist selten, dass ich einen Aufsatz mit einer schlichten, wenn auch unvollständigen Aufzählung beginne. Der Post wird dafür aber auch nicht sehr lang geraten. Denn das ist gar nicht nötig. Die Bedeutsamkeit der einzelnen Punkte ergeben zusammen betrachtet zwar keine Fakten, an denen sich Beobachter und Teilnehmer der Märkte vorrangig orientieren, auf denen sich aber ebenso vor allem Anleger und Entscheider in der Wirtschaft ihre strategischen Entscheidungen abstützen.


Politik, nicht mehr die Notenbanken sind die Treiber!


  • US-Präsident Trump, die Russland-Affäre,
  • Theresa Mays´ scheinbar nicht endender Fall vom politischen oder genauer gesagt britischen Olymp,
  • Russland und die immer neuen, aber nie in einem juristischen Sinne bewiesenen Vorwürfe (russische Hacker beherrschen scheinbar inzwischen die Welt, zumindest wenn man ungenannten Offiziellen aus den britischen Geheimdienst Glauben schenken mag),
  • Chinas Wirtschaftsdaten, die kaum jemand wirklich für korrekt hält – wie auch, wenn das Politbüro in Beijing Quartal für Quartal berichtet, das z. B. die Wachstumsziele punktgenau erreicht wurden und die Zensur, seit Xi Jinping an der Mach ist (Anfang 2013), nie seit Maos Zeiten so scharf war und seitdem noch nie so harte Strafen verhängen kann, ganz abgesehen vom nach wie vor anhaltenden innerparteilich Machtkampf zwischen Xis´ “Fraktion“, den Tuanpai oder Youth League (Hu Jintao) und natürlich der Shanghai Gang (Jiang Zemin);
    sie befindet sich eigentlich gerade erst im Aufbau – wenn es sie überhaupt gibt – und das wenige Monate vor dem überaus wichtigen Stühlerücken im obersten Führungsgremium (der siebenköpfige „Ständige Ausschuss“ mit Xi an der Spitze und natürlich im 20 köpfige „Politbüro“) im kommenden Herbst. Sehr aufschlussreich ist i.d.Z. eine politische Brookings-Analyse von 2010 zum Machtwechsel Ende 2012, aus der hier der entsprechende relevante Abschnitt zitiert wird (farbliche Hervorhebungen im Text von S.L.E.) (1))
     
    Xi Jinping war damals, 2012, der Kompromisskandidat von Jiang Zemin, (Hu Jintaos Amtsvorgänger) und eben Hu Jintao, dem damals noch amtierenden Staats- und Parteichef. Jiang wollte den heutigen Premier Li Keqiang verhindern. Ein „macht- und netzwerkloser“ Prinzling namens Xi Jinping hingegen – so wird er im obigen Chart auch vom China-Experten bei Brookings beschrieben (siehe rote Markierung) – war hingegen für beide akzeptabel.  Die Entwicklungen zeigen jedoch, dass Xi von seinen heutigen Gegnern (Jiang Zemin, Hu Jintao) ebenso krass unterschätzt wurde wie damals von den China-Experten. Das heißt aber eben nicht, dass die Geschichte für Xi Jinping am Ende auch gut ausgeht. Aufgund der stark verschärften Zensur erfährt man heute darüber allerdings viel weniger als vor Xis Machtantritt – und was die chinesischen Staatsmedien schreiben, was ist das wirklich wert?
    Fazit: weder wirtschaftlich gesehen noch politisch ist China ein sicherer, stabiler Kandidat.
  • diverse – man kann es nicht anders sagen – „Mega“-Korruptionsskandale die ganze Schwellenländer immer tiefer ins politische und wirtschaftliche Chaos zu stürzen scheinen, insbesondere in den sog. BRICS-Staaten (Brasilen und Südafrika), die aber auch große europäische Wirtschaftsnationen auf Raten politisch erschüttern (wie die Wahlergebnisse der letzten Jahre zeigen (insbesondere Frankreich, Italien, Spanien);
  • der jüngst Im Anschluss Donald Trumps erste Nahostreise und dem, was er dort so alles sagte, ausgebrochene, schwere diplomatische Konflikt zwischen den Golfstaaten und Katar und last but not least,
  • der schwelende diplomatische und angedrohte militärische Konflikt zwischen den USA und Nordkorea (Raketentests, Atomprogramm) hat sich bedingt vor allem durch Donald Trumps scharfe (Twitter-)Eskalationsrhetorik über Wochen immer weiter verschärft; es scheint, als sei ein militärischer Konflikt in der Region inzwischen eher unwahrscheinlich geworden; ein neuer, viele Jahre währender „kalter Krieg“ (2), der sich immer noch zu einem konventionellen auswachsen könnte, jedoch nicht; Südkoreas neuer, gemäßigter Präsident Moon Jae-in jedenfalls ist sofort auf den Verhandlungsweg eingeschwenkt – mit Nordkorea (3), China (4), Japan (5) und Russland (6) (7) und er hat bereits im Wahlkampf eine Überprüfung der Stationierung des US-Raketenabwehrsystem THAAD angekündigt (8), was im Extrem zu einer Revision der Stationierungsentscheidung führen oder einen weiteren Ausbau (9) stoppen kann – vor allem da China höchst erbost darüber war, bereits Sanktionen gegen Südkorea verhängte und Moon genau weiß, wie wichtig China als Handelspartner für Südkorea ist und dann sind da natürlich noch
  • die Ölpreise, welche die OPEC und nicht-OPEC-Staaten (insb. Russland) mit einer Ende 2016 beschlossenen und jüngst bis Ende 2017 verlängerten, aber freilich nicht wirklich signifikanten Ölförderkürzung wieder in die Balance bringen wollten; seit der Förderverlängerung sind die Ölpreise rund 8 Prozent gefallen, seit Anfang des Jahres um mehr als 20 Prozent; warum? Weil in derselben Zeit sowohl die US-Shale-Industrie immer mehr Öl aus dem Boden presste (Fracking) und auf den Markt warf und zugleich die Öllagerbestände – wen wundert es – auf neue Rekordhöhen kletterten, insbesondere in den USA.


Strategisch relevante, obwohl keine wie üblich auf Daten basierenden Informationen

Dies alles sind in gewisser Weise zwar ebenfalls strategisch relevante Informationen. Aber sie beziehen ihren möglich Wert eher aus einer abstrahierenden Gesamtschau des „Big Pictures“, das quasi aus der Vogelperspektive, d. h. im Zusammenhang der Punkte gesehen, eine eindringliche Intensität ergibt und einem absolut die Sorgenfalten ins Gesicht treiben sollte. Zumal es sich um eine anhaltende, dynamische Entwicklung handelt, die – im Grunde – dieselbe Richtung läuft und deswegen erahnen, wenn auch keinesfalls berechnen, lässt, was weiter geschehen wird:

  • politisch, geopolitisch und was sich dadurch bedingt,
  • seit spätestens Beginn des Jahres 2017 an den Finanzmärkten und in der globalen Wirtschaft zusammenbraut.

Denn jeder weiß inzwischen aus seiner eigenen Beobachtung, dass die großen Notenbanken und ihre Geldpolitik ihre politische Dominanz und ihren Einfluss auf Märkte und Wirtschaft im Unterschied zu den weltweiten Krisenjahren September 2008-Juli 2012 (EZB-Chef Draghi beendete mit einem einzelnen Satz die Eurokrise) an die Politiker wie Trump, May und Merkel etc. abgegeben haben.

Das hängt vor allen Dingen auch damit zusammen, dass die Marktteilnehmer bei jedem späteren Aufflackern der Krise sogleich hyper-nervös reagierten – mit der Folge von Börsen-Turbulenzen. Die wurden jedoch mit jeder eindeutig besser als erwartet von der Notenbanken gehandhabten und wieder eingefangenen potentiellen Krise (China-Börsen-Crash, Anfang 2015, das unerwartet ausgegangene Brexit-Votum von Juni 2016) schwächer und nunmehr gibt es sie fast gar nicht mehr.

Was im Übrigen eher eine Eigenart ist, die angesichts der – wie zuvor skizzierten – steigenden Abhängigkeit der Finanzmärkte, Börsen und Weltwirtschaft von der Politik bzw. genauer gesagt von Politikern, deren Krisenvermeidungs-Kompetenzen bekanntermaßen recht begrenzt, in jedem Fall aber keineswegs vertrauenerweckend sind (Stichworte: Krise der EU, Brexit, Theresa Mays politischer Absturz). Oder um eine steigende Abhängigkeit von Politikern, die weder über politisch-administrative Kompetenz verfügen, sich auch nicht dafür interessieren, wohl auch gar nicht die erforderliche Konzentration dafür aufbringen können und für anderer Länder Politiker, Firmenlenker und die Weltgemeinschaft derart unberechenbar und sprunghaft sind wie Donald Trump, dass einige bereits einen Übergang von einer mono- (USA) zu einer multipolaren Weltordnung (USA, China, Russland) sprechen. Doch das Hauptproblem ist: Unter US-Präsident kann tatsächlich jederzeit alles geschehen.


In den USA hat eine Revolution begonnen, die sich in ihr Gegenteil verkehrt: nicht aufwärts, sondern abwärts, ins Chaos

Und vor allem sind bereits drei Dinge glasklar:

  1. Seine großspurigen politischen Versprechen wird Donald Trump – wenn überhaupt – nur mit erheblichen zeitlichen Verzögerungen und massiven Zugeständnissen einlösen können.
  2. Mehr noch schaukelt sich Trumps Russland-Affäre in den USA immer weiter auf. Republikaner, die nächst Wahl und insbesondere natürlich ihre Wiederwahl im Auge haben, stehen offiziell zwar noch hinter Trump; sie beginnen aber hinter vorgehaltener Hand bereits Abstand zu nehmen oder sollte man besser sagen, ihre politische Karriere abzusichern.
  3. Das heißt sowohl die Wirtschaft und die Börsianer, die Trumps Versprechen noch Anfang des Jahres mit großen Vorschusslorbeeren bedachten, sehen jetzt ebenso wie die Republikaner die Hoffnung zunehmen schwinden, dass auf absehbare Zeit etwas daraus wird; die US-Wirtschaft, bzw. das US-BIP-Wachstum zeigte für das erste Quartal 2017 bereits entsprechende Schleifspuren

Doch was ist seitdem geschehen in der Wirtschaft und insbesondere an den Finanzmärkten geschehen? Es wird weiter gefeiert.


Was an Finanzmärkten und in der Firmenwelt geschieht, scheint eine völlig andere Welt widerzuspiegeln

Die großen Börsen-Indizes, ob Dow Industrial, S&P 500, Nasdaq Composite oder Dax oder auch – man höre und staune –der  FTSE 100, sind seit ca. November 2016 nahezu im Gleichklang kontinuierlich gestiegen und legen seit Anfang 2017 immer neue Allzeithochs vor, nur um sie kurz darauf erneut zu knacken.
Und jetzt sind Sie dran.

Würden Sie vor dem Hintergrund der oben skizzierten Punkte, der inzwischen von den Notenbanken auf die Politik übergegangenen Verantwortung und Einfluss für die wirtschaftliche und Finanzmarkt-Entwicklung weiter mitjubeln und mitfeiern?

Ich will Ihnen meine ehrliche Meinung sagen: Die Notenbanken haben eindeutig nicht immer alles richtig gemacht – bis heute nicht! Aber Sie haben in den Krisenjahren 2008-2012 m.E. eindeutig einen wesentlich besseren Job gemacht als die damals verantwortlichen Politiker. Die alten Politiker sind freilich teils immer noch an der Macht (Merkel, Shinzo Abe, Mariano Rajoy). Aber den neuen Politikern auf dem globalen Parkett ist noch viel weniger zuzutrauen oder nicht!?


Die Wirtschafts- und Finanzwelt, das Wirtschafts- und Finanzmarkt-System ist kein sich selbst korrigierender Mechanismus

Und dass sich die globale „Maschinerie“ (denn das ist sie ja im Sinne der herrschenden ökonomischen und wirtschaftspolitischen Doktrin) trotz May-Desaster und Trump-Chaos schon irgendwie weiterdrehen und sich erhalten wird, ist dazu das globale Wirtschafts- und Finanzsystem nicht längst – auch aufgrund der ultralockeren Geldpolitik – bis an die Grenze und darüber hinaus ausgereizt worden? Viele sehen da gegenwärtig – aus nicht nachvollziehbaren Gründen – vielleicht eine Stabilität, die es gar nicht gibt. Sozusagen eine Phantom-Stabilität, vergleichbar mit dem sogenannten Phantomschmerz.
Es ist doch gerade bezeichnender Weise das Ziel Donald Trumps, den nicht mehr weiter wachsenden globalen Kuchen auf dem Neu-Verhandlungswege und mit Importzöllen zugunsten der USA neu zu verteilen. Welche andere Nation wird sich das gefallen lassen? Wer begibt sich freiwillig in die größer werdende Gemeinschaft der globalen Verlierer? Und wohin führt es, wen man dies einmal bis zu einem Endpunkt durchdekliniert?

Ich will es hier gar nicht tun. Klar ist indes – und das ist das wirklich Beunruhigende –, dass sich die Märkte und bis zu einem gewissen Maße offensichtlich auch große Teile der Wirtschaft noch nicht darauf umgestellt haben, dass die Musik, die die Welt tanzen lässt, nicht mehr von den Notenbanken kommt, sondern von den politischen Führern dieser Welt.

Man braucht also kein Prophet zu sein, um sagen zu können, dass die meisten es wieder viel zu spät realisieren werden, wenn die Musik zu spielen aufhört. Denn sie schauen offensichtlich wieder einmal ganz woanders hin. Mag sein, dass sie es nicht anders wollen. Denn für viele ist eine Lebenslüge weitaus erträglicher als die Wahrheit.



PS. Nun ist der Aufsatz doch ein wenig länger geraten als angekündigt. Ich hoffe, Sie sehen es mir nach.
SLE

Kommentare:

  1. "Klar ist indes – und das ist das wirklich Beunruhigende –, dass sich die Märkte und bis zu einem gewissen Maße offensichtlich auch große Teile der Wirtschaft noch nicht darauf umgestellt haben, dass die Musik, die die Welt tanzen lässt, nicht mehr von den Notenbanken kommt, sondern von den politischen Führern dieser Welt." Einerseits: Hä??, andererseits: Jau, die Politniks haben nun wirklich keine Ahnung! Fazit: s. o.

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    1. Hallo Vogel,

      da gibt es gerade wieder ein wunderbares Beispiel aus der Regierung Großbritanniens, für das sich freundlicher Weise Boris Johnson, britischer Außenminister, der BBC zur Verfügung gestellt hat:

      http://www.n-tv.de/politik/Johnson-blamiert-sich-in-Interview-article19902286.html

      By the way, der Mann muss am Vortag, als die Queen das Programm Mays´ im Parlament vorlas, geschlafen haben. Vielleicht hat er aber auch ein schlechtes Kurzzeit-Gedächtnis.

      Wie auch immer, er läuft dem anderen großen Politiker mit schlechtem Kurzeit-Gedächtnis, der - so glaube ich - noch immer im Weißen Haus wohnt, bald den Rang ab.

      In diesem Fall fällt mir ein Running Gag eines Juristen einer Hochschule ein. Er lautet:

      "Wo wir sind, funktioniert nichts mehr. Aber wir können ja nicht überall sein."

      Viele Grüße
      SLE

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    2. Da fällt mir wiederum mein Edmund Stoiber Lieblingszitat ein: "Ich mache nicht nur leere Versprechungen, sondern ich halte mich auch daran."

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  2. Hallo Herr Eichner,

    Wir waren uns nicht immer einig was die systemische Ursachen des Wirtschaftkollapses angeht, aber wie ich sehe erkennen Sie die jetzt, dass die Karten in diesem Spiel gezinkt sind und es vermutlich immer waren. Schon in unseren ersten Diskussionen habe ich versucht sie davon zu überzeugen, dass wir nicht in einem vor allem durch wirtschaftliche Prinzipien gelenkten System befinden, sondern in einem, dass von Partikularinteressen gesteuert ist.

    Meine Argumentation war immer, dass die Modelle der Wirtschaftswissenschaft die Option völlig aussen vor lassen, dass das eigentliche treibende Prinzip der Wirtschaft die Ausbeutung der breiten Bevölkerung durch die Klasse der Besitzenden ist und Modelle der Wirtschaftswissenschaft nur eine Legitimation dafür liefern.

    Die Regierung Trump ist auf ihre art die transparenteste Regierung die die USA jemals hatte. Es wird nicht einmal mehr der Versuch gemacht die Bereicherung der wenigen zu verschleiern die von den "gewählten" Politikern gedeckt oder ermöglicht wird. Sämtliche Mitglieder der Regierung Trump stammen aus der Klasse der Besitzenden und sind völlig gewissenlos in ihrer Bereicherung.

    Diese Ruchlosigkeit der Bereicherung sollte mit der Gesetzesvorlage von "Trump Care", die Steuergeschenke an Reiche mit dem bereitwilligen Sterben-Lassen der Armen finanziert jedem klar geworden sein.

    Was die Unausweichlichkeit des Kollapses angeht, habe ich immer auf die Unmöglichkeit weiteren Wachstums auf Grund der Resourcenkrise hingewiesen. Hier waren wir näher beieinander, auch wenn ihre Modell des ausbleibenden Wachstums nicht umbdengt auf diesen Aspekt eingehen. In den Theorien der Mainstream Volksweitschaftler ist von einer Ressourcenkrise natürlich keine Rede.

    Meine Einschätzung war immer die eines Laien ohne tiefe Einblicke in das wirkliche Geschehen in den Hinterzimmern der Politik und die Realität der Machtausübung. Sie war immer nur von der Vermutung getrieben dass ohne absichtliche Einwirkung es aus einer systemischen Sicht nicht zu einer so einseitigen Schieflage zu Gunsten weniger Reicher kommen kann und deshalb die Gleichgewichtsmodelle der Volkswirtschaft die Realität nicht beschreiben können.

    Ich bin aber gerade aud eine vielleicht interessante Einschätzung aus dem Lager derer gestossen die eigentlich für sich herausnehmen Politik (aus dem Verborgenem) zu gestalten. Alastair Crooke ist ein ehemaliger hochrangiger MI6 Mitarbeiter und einer der führenden Britischen Diplomaten.

    Bei theautomaticearth.com sind unlämgst "inoffizielle" Artikel von ihm erschienen, der Erste mit dem Titel "What is the Crisis of Modernity" (Über Wachstum und Resourcenkrise)
    In dem Jüngsten Artikel mit dem Titel "Coming Apart: The imperial City at the Brink", geht es wie in ihrem Artikel über die Unausweichlichkeit des Kollapses aus politischer Sicht:

    Die ganze Alastair Crooke Serie hier:
    https://www.theautomaticearth.com/2016/10/alastair-crooke-end-of-growth-sparks-wide-discontent/
    https://www.theautomaticearth.com/2016/11/obstacles-to-trumps-growth-plans/
    https://www.theautomaticearth.com/2017/01/what-is-this-crisis-of-modernity/
    https://www.theautomaticearth.com/2017/06/coming-apart-the-imperial-city-at-the-brink/

    vielleicht finden Sie das interessant.

    Liebe Grüße

    Alien Observer

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  3. Hallo Alien Observer,

    ich bin sehr vorsichtig mit dem Gebrauch von Begriffen wie "unausweichlich". Eigentlich benötige ich ihn auch nicht. Es mir geht darum Hinweise zusammenzutragen, die in der Summe dabei helfen Auskunft zu geben, wohin eine Entwicklung treibt.

    Doch Sie wissen ebenso wie ich, dass es sich hierbei unter anderen oft um "weiche Faktoren" handelt, nämlich immer dann, wenn in dem Netz von Fakten die Löcher und Unklaren Bereiche größer werden. China ist ein ausgezeichnetes Beispiel dafür. Wir wissen auch nicht was geschieht, wenn unterschiedliche Entwicklungen in z.B. unterschiedlichen Bereichen (z.B. Finanzmärkte und Politik) Weltregionen zusammenlaufen. Ergibt sich eine neue Entwicklung oder kommt es etwa zu einem folgenschwere Bruch.

    Kein Ökonom kann ihnen darauf eine zuverlässige Antwort geben. Keiner! Und das sind nur Beispiele.

    In der Regel erweist sich jedes wirtschaftliche und Finanzsystem als wesentlich stabiler als viele annehmen. Ich denke, das ist einfach eine empirische Tatsache.

    Aber Sie haben natürlich Recht. Wir reden hier nicht einfach über ein ökonomisches System, sondern über ein System der politischen Ökonomie. Friedrich List hat das so gesagt bzw. 1841 so geschrieben. Es war eine Kampfansage an die damals wie heute herrschende wirtschaftsliberale Lehre. Man kann natürlich noch weiter gehen und Wettbewerbs- und Marktprozesse nicht als mechanistische oder selbstregulative Prozesse auffassen, sondern vor allem als soziale Prozesse. Helmut Arndt hat das bereits seit den 50er Jahren immer wieder hervorgehoben.

    Blenden Sie das alles also bitte nicht aus. Der Neoliberalismus, die Neoklassik sind genau genommen nur ein Zweig der Wirtschaftswissenschaften. Allerdings einer der es geschafft hat, andere, hoch interessante Zweige verkümmern zu lassen.

    Viele Grüße
    SLE

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  4. "Man kann natürlich noch weiter gehen und Wettbewerbs- und Marktprozesse nicht als mechanistische oder selbstregulative Prozesse auffassen, sondern vor allem als soziale Prozesse."

    Ich fürchte die einzigen die das nicht tun sind die Ökonomen. Es gibt da ja noch das Fach Wirtschaftsanthropologie, mit Vordenkern wie Marshall Sahlins, Karl Polanyi, Marcel Mauss, etc.
    Es ist ein ganze Wissenschaftsdiszipkin die eben diese Auffasung vertritt und in der öffentlichen Debatte um Wirtschaft völlig ausgeblendet wird.

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